top of page

Gunung Rinjani - ein grosses Abenteuer

  • Autorenbild: Brigitte Küng-Reber
    Brigitte Küng-Reber
  • 1. Sept. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Wir sind zurück von unserer Wanderung auf den Gunung Rinjani, müde aber um ein faszinierendes Abenteuer reicher.

Am Morgen früh wurden wir von unserem Guide Mul von Halomi Trekkers und zwei Kollegen, die unsere Träger sein würden, abgeholt. Zusammen mit dem ganzen Material - Zelte, Lebensmittel, Wasser, Schlafsäcke und Matten, Kochutensilien, und so weiter - fuhren wir auf der Ladefläche eines Pick-ups zum Dorf Sembalun, dem Startpunkt unserer Wanderung.

Auf rund 1000 m über Meer startete unsere Tour. Zunächst ging es relativ flach durch Wälder und Graslandschaft. Dieser sanfte Einstieg war zwar ein wunderbares Warm-up, täuschte aber eine Einfachheit der Tour vor, die mit unseren späteren Strapazen rein gar nichts mehr zu tun hatte. Bald fing der Weg an steiler zu werden. Der Trampelpfad bestand aus feinem Staubsand, der bei jedem Schritt aufwirbelte und ziemlich rutschig war. Bald waren wir nicht nur mit Schweiss bedeckt, sondern auch mit einer dunklen Staubschicht, die wir während der ganzen Wanderung nie mehr richtig los wurden.

Der zunehmend steile und staubig-rutschige Pfad war ziemlich beschwerlich. Umso erstaunlicher war es zu sehen, wie die Träger nur mit Flipflops an den Füssen und einer Last von 30 Kilogramm in Bambuskörben auf den Schultern, leichtfüssig Richtung Kraterrand speedeten. Da kommt man sich im Vergleich so richtig als Weichei vor!

Auf dem Weg wiesen verschiedene Schilder darauf hin, dass es verboten sei, Edelweiss zu pflücken. Die Blumen, die wir überall antreffen, haben mit unserem Edelweiss auf den ersten Blick herzlich wenig gemein. Überraschend war auch, dass wir immer wieder durch Waldpassagen gelangten. Die Waldgrenze liegt hier schätzungsweise auf 3000 m über Meer.

Am frühen Nachmittag kamen wir an unserem Ziel, dem Kraterrand, an. Mul und sein Team hatten im Handumdrehen ein Zelt für uns, ein Kochzelt und ein WC-Zelt aufgebaut, ein Tisch und zwei Stühle hingestellt und frittierte Bananen mit Schokolade und Käse (mhhh… gewohnheitsbedürftige Mischung) zur Vorspeise hingezaubert. Später gab es zum Nachtessen ein Gemüse-Curry mit Reis. Weil Reto von Muskelkrämpfen geplagt war, erhielt er sogar noch eine Beinmassage, die sich als recht schmerzhaft, aber wirkungsvoll herausstellte. Was für ein Luxus auf dieser Höhe!

Der Sonnenuntergang präsentiert sich farbenfroh und mystisch: der Vulkansee, der Kraterrand mit seinen verschiedenen kleinen Gipfeln und im Hintergrund das Farbenspiel am Himmel waren einfach prächtig!

Mit Einbruch der Dunkelheit zogen wir uns früh in unser Zelt zurück. Der Tag war anstrengend und wir beide hundemüde. Doch an Schlaf war kaum zu denken. Ob es die Höhe, die ungewohnte Geräuschkulisse, die Anstrengung oder leichte Magenprobleme waren: wir machten beide kaum ein Auge zu.

Reto hatte schon am Vorabend entschieden, dass er auf den Gipfelsturm verzichten würde. Für mich hiess es, um 2:30 Uhr in der Nacht aufzustehen und um 3:00 Uhr los zu wandern. Die Stirnlampe beleuchtete den Weg und ich war enorm froh, in meinem schlaftrunkenen Zustand einfach hinter Mul hertrotten zu können. Mit Ausnahme des mittleren Teils war der Weg nun sehr steil und er bestand aus einer Mischung aus Staubsand und faustgrossen Vulkansteinen, die einen enorm rutschigen und unstabilen Untergrund darstellten. Ich krallte mich vorne mit den Wanderstöcken fest und versuchte mit den Füssen genau in den Tritten von meinem Guide zu gehen. Genau wie im Tiefschnee half diese Technik ein wenig, nicht allzu viel zurück zu rutschen. Mit Ausnahme einer anfänglichen Übelkeitsattacke kamen wir dann recht gut voran. Wir überholten zahlreiche Wanderer, die sich ebenfalls dem Gipfel und dem Sonnenaufgang entgegen kämpften. „Good power“, meinte Mul immer wieder und wies mich stolz darauf hin, wie viele Mitwanderer wir bereits hinter uns gelassen hatten. Ja, alleine waren wir am Rinjani wirklich nicht. Ich kam von alldem aber nicht allzu viel mit, war ich doch ziemlich stark mit dem beschwerlichen Aufstieg beschäftigt. Stetig und Schritt für Schritt kamen wir dem Gipfel näher.

Und dann war es geschafft: der Gipfel des zweihöchsten Vulkans Indonesiens auf 3726 m über Meer war vor Sonnenaufgang erreicht. Zu Füssen lag eine zauberhafte Vulkanlandschaft und ein Nebelmeer. Die aufgehende Sonne taucht alles in sanftfarbiges Licht. Der Blick reichte weit bis zu anderen hohen Vulkanen Indonesiens, zum Tambora in Sumbawa und zum Agung in Bali. Die ganze Anstrengung hat sich zu 100 % gelohnt, alleine für diesen einen Moment!

Als ich mich satt gesehen hatte, ging es an den Abstieg. Da es nun hell war, konnte ich erstmals meine Umgebung richtig wahrnehmen, die zuvor beim Aufstieg noch im Dunkeln lag. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einer neuen Leichtigkeit rutschte ich wie auf Skiern auf dem staub-sandigen Untergrund herunter. Mir entgegen kam ein stetiger Strom an mehr oder weniger erschöpften Wanderer, die sich noch im Aufstieg befanden. Und es präsentiert sich eine zauberhafte Landschaft an wechselnden Gesteinsformationen und Perspektiven auf den Vulkan und die umliegende Landschaft Lomboks.

Mehr gleitend als gehend, waren wir schnell und kräftesparend zurück in unserem Camp am Kraterrand. Dort wurde Reto und mir ein grosszügiges Frühstück zubereitet. Leider litten wir mittlerweile beide ein wenig an Magenproblemen, so dass wir dieses verschmähen mussten. Auch deswegen entschieden wir uns, auf die Durchwanderung des Kraters zu verzichten und nach dem Frühstück den Weg Richtung Tal zu wählen. Wir machten uns vor dem Mittag auf und nahmen die 1600 Höhenmeter Richtung Tal in Angriff. Unterwegs trafen wir aufsteigende Wanderer, die uns teils erschrocken, teils belustigt anstarrten. Im Gegensatz zu ihnen waren wir von oben bis unten mit Staub bedeckt und schauten möglicherweise ein wenig mitgenommen aus. Uns wiederum kamen die „Neuen“ seltsam gestylt und sauber vor.

Erschöpft kamen wir nach ein paar Stunden im Tal an. Auch unser Guide und die beiden Träger waren sichtlich müde. Dennoch blieben sie immer fröhlich, aufgestellt und wahnsinnig hilfsbereit. Dieser positive Spirit hat uns nicht nur am Schluss, sondern auf der ganzen Tour tief beeindruckt. Nach einer herzlichen Verabschiedung ging es zurück in unsere Unterkunft in Senaru. Noch nie haben wir uns so sehr auf eine Dusche gefreut.

Kommentare


© Lilamouse

bottom of page